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Tropfen
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Beardie-Wissen auf den
gebracht |
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www.beardedcollie.de
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Interessengemeinschaft COMING HOME zum Erhalt des echten
Bearded Collies
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Europaweit soll das Wohl von Hunden und Katzen endlich
einheitlich geregelt werden. Die EU-Heimtierverordnung („Cats and
Dogs“-Verordnung) trat im Mai 2026 in Kraft. Sie regelt erstmals einheitliche EU-weite Mindeststandards für
Zucht, Haltung und Handel. Wir möchten mit einem kynologischen und rechtlichen
Leitfaden für eine verantwortungsvolle Zucht und Haltung von Bearded
Collies ausführlich darüber informieren, was künftig verboten ist und was noch machbar ist, vor allem in der Zucht und im
Ausstellungswesen. Mögen diese wichtigen Informationen das tiefgreifende Umdenken
anstoßen, das die Rasse der Bearded Collies so dringend braucht. Neben einer lückenlosen Chip- und Registrierungspflicht geht es in der
EU-Verordnung unter anderem um verschärfte Reiseregeln, Stachel- und
Würgehalsbänder, Anbindehaltung, um den illegalen Welpenhandel und anonyme Online-Verkäufe. Auch der Schutz vor dem Aussetzen, das Verbot enger
Verpaarungen, sowie das Verbot von Verstümmelungen (Kupieren, Krallen
entfernen) und auch schmerzhafte Praktiken wie Stromschläge, Treten oder
Schlagen der Tiere sowie das Fixieren von Hunden während der Paarung sind in der Verordnung fest
verankert. Ein Kernpunkt betrifft die Qualzucht: das Verbot von „übermäßig ausgeprägten Körpermerkmalen“ („excessive conformational traits“).
Fellmassen als Qualzuchtmerkmal Qualzucht betrifft alle messbaren extremen Merkmale. Die
Verordnung
orientiert sich konsequent an medizinischen Symptomen: · Jede anatomische Übertreibung soll unterbunden werden, wenn sie zu chronischen Schmerzen, Leiden oder
Verhaltenseinschränkungen führt. Bei Qualzucht denkt man zunächst an Tiere, die von Geburt an krank sind, also an krank gezüchtete Rassen: verkürzte Schädel (Atemnot, das Gehirn passt nicht in den
Kopf), übermäßige Hautfalten (Entzündungen), Haarlosigkeit, große hervorstehende Augen, hängende Augenlider, verengte
Atemwege, Zwergwüchsigkeit, verformte Gliedmaßen (Chondrodysplasie), Faltohren und damit verbundene Knorpelschäden „bis in die
Zehenspitzen“, eingeschränkte Fortpflanzungsfähigkeit (nur noch per
Kaiserschnitt) und auch an die Zucht mit zwei Trägern des Merle-Gens
(Taubheit und Blindheit). Doch auch übermäßig üppiges, langes Fell steht im Fokus der
Gesetzgebung. Sobald die Detail-Verordnungen der EU-Kommission vollständig
ausgearbeitet sind („delegierte Rechtsakte“, bis 2030), werden Züchter aller
Voraussicht nach absurde Felllängen und extreme Fellmassen in der Liste der
Qualzucht-Merkmale finden. Ein übertriebenes Haarkleid fällt juristisch unter die
Definition „übermäßig ausgeprägte Körpermerkmale“/„Qualzucht“, wenn es · die Thermoregulation des Tieres einschränkt: Viele Beardies hecheln wegen ihres dicken Pelzes schon bei
moderaten Temperaturen im Alltag und im Show-Ring. Sie überhitzen schnell, weil die Hitze sich staut. Das
Herz-Kreislauf-System wird geschädigt. Das allein ist lt. EU-Rahmentext schon eine „erhebliche
Beeinträchtigung des Wohlbefindens“. · das Sehvermögen behindert: Wird das Stirnhaar nicht gekürzt oder fixiert, sind Bearded
Collies „funktionell blind“. Dies gilt als schwere Einschränkung der Sinneswahrnehmung. Es handelt sich um eine künstlich herbeigeführte Behinderung, auch weil in der modernen Zucht das knöcherne Fundament, die
Wülste über den Augen, weggezüchtet wurde. · die Bewegungsfreiheit raubt: Sehr langes, üppiges Fell beschwert den Hund ständig. Wird es gekürzt, bewegt er sich sofort mit spürbar mehr
Leichtigkeit und Lebensfreude, sichtlich von schwerem Ballast befreit. · die Kommunikation blockiert: Artgenossen können die subtilen körperlichen Signale und die
Mimik unter den Haarmassen nicht mehr lesen. · zu chronischen Leiden führt: Unter dichtem Filz entstehen bei mangelhafter Pflege oft
unbemerkt schmerzhafte Hautprobleme. Zecken werden in dichtem Fell leicht übersehen. Durch langes Stirnhaar werden die Augen gereizt. Ohrhaare müssen regelmäßig ausgezupft werden, um
Ohrenentzündungen vorzubeugen. Schmerzhafte Filzknoten zwischen den Pfotenballen führen zu
Druckstellen und offenen Wunden. Viele Beardies werden geschoren, wenn ihre Besitzer mit der
Fellpflege überfordert sind und oft schon einigen Filz herausgeschnitten haben. Nach einer
Schur drohen Hautprobleme (Clipper-Alopezie). Wenn ein Beardie beim Spaziergang immer wieder gegen Pfähle
und andere Hindernisse läuft, weil er zu wenig sehen kann, ist auch das sicherlich als
Leiden einzustufen. Den Begriff „Leiden“ erfüllt auch stundenlange, oft täglich
notwendige Fellpflege, die für den Hund nur schwer erträglich ist: Er muss sich in
sein Schicksal fügen. Wenn all dies nicht gewollt ist,
weil es nachweislich Gesundheitsrisiken und Leiden verursacht, dürfte der Punkt „extrem langes,
üppiges Fell“ in der Qualzuchtliste nur noch Formsache sein.
Auswirkungen auf Show und Zucht Hunde mit Qualzucht-Merkmalen sollen bei Shows und
Wettbewerben nicht mehr geduldet werden. Durch den Gesetzestext sind Ausstellungsrichter und
kontrollierende Amtsveterinäre verpflichtet, Hunde mit übertriebenem Fell („übermäßig ausgeprägten
Körpermerkmalen“), das zu Leiden führt, rigoros von Bewertungen auszuschließen. Damit wird den betroffenen Züchtern die finanzielle und
prestigeträchtige Grundlage entzogen. Die Gesetze zum Schutz der Tiere werden das letzte Wort haben
– völlig unabhängig davon, ob uneinsichtige Ausstellungsrichter
weiterhin Extreme prämieren wollen. Züchter werden erkennen müssen, dass unabhängige
Veterinärinspektoren sich nicht für Ausstellungstitel und für die Meinung der
Show-Richter interessieren. · Jeder Beardie, der im Show-Ring Anzeichen von Atemnot,
Überhitzung oder motorischen Schwächen
beim Traben zeigt (durchtrittige Pfoten!), soll disqualifiziert werden. Die rechtlichen Hebel
dazu gibt es jetzt. · Ein striktes Verbot von Haarspray, Puder, Kajalstift (zum Überdecken von
Pigmentmängeln) und anderen Hilfsmitteln im Ausstellungsbereich würde Mängel
sofort ungeschminkt offenlegen. Solche nicht zulässigen Manipulationen hat der VDH bereits in
seinem Artikel „Wir tragen die Verantwortung“ in seiner Zeitschrift „Unser
Rassehund“, Nr. 11/2001, genannt und hat gefordert, Sprayen/Pudern/Färben zu ahnden. … und doch zählen solche Dinge immer noch zum Handwerkszeug
vieler Züchter. Für Rassen, die unter „übermäßig ausgeprägten Körpermerkmalen“
leiden, ist das Ziel der EU-Heimtierverordnung eine gesundheitliche
Rückzucht. Zuchtlinien aller betroffenen Rassen sollen wieder dahingehend
verändert werden, dass die Hunde gesund und fit sind und nicht unter extremen
Körpermerkmalen leiden. Für den Bearded Collie bedeutet das: Das Fell soll eine moderate, für den Hund komfortable Länge
und Dichte aufweisen. Züchter, die Warnungen jahrzehntelang ignoriert haben, stehen
nun in einer genetischen Sackgasse: Ihnen fehlen in ihren Linien die Erbanlagen für ein kürzeres,
harsches Fell und ein robustes Immunsystem. Rechtssicherheit Der Text
der Verordnung wird vom Europäischen Parlament bereitgestellt. Um „übermäßig ausgeprägte Körpermerkmale“ geht es unter Punkt
41 und 42. Was das überzüchtete Fell betrifft: (Leiden und Gesundheitsrisiko, dauerhaften vermeidbaren
Schmerz), müssen Züchter extrem plüschiger Rassen schon jetzt damit
rechnen, dass ihre Zuchtpraktiken unter der neuen Verordnung illegal
sind oder drastisch angepasst werden müssen. Juristisch heißt es: „erblich bedingte Umgestaltung von
Körperteilen, die zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führt“. Zeitschiene Die Verordnung tritt zwar zwanzig Tage nach ihrer
Veröffentlichung im EU-Amtsblatt in Kraft, die neuen Regelungen gelten (mit einigen Ausnahmen) aber erst
nach zwei Jahren. Sie werden gestaffelt wirksam. -
Die Reisevorschriften gelten
bereits. -
Die Pflicht zur Kennzeichnung
und Registrierung gilt für Züchter und Verkäufer nach 4 Jahren (voraussichtlich ab
Herbst 2030), -
in privater Haltung nach 10
Jahren (voraussichtlich ab Herbst 2036). -
Die neuen Qualzucht-Regeln der EU-Verordnung greifen nach einer
Übergangszeit von 2 Jahren (voraussichtlich ab Herbst 2028). Für Züchter und
Händler gilt eine Übergangsfrist von 4 Jahren, bis Verstöße gegen
die EU-Qualzuchtverbote flächendeckend behördlich sanktioniert werden. Bis 2030 sollen
Experten eine eindeutige Liste mit detaillierten, messbaren Grenzwerten von
Qualzuchtmerkmalen ausgearbeitet haben. Über den Stand der
Dinge kann man sich mit einem Newsletter informieren lassen.
Kritik: · Tierschützer bemängeln die langen
Übergangsfristen. Einzelne Staaten können strengere Regelungen treffen. Das deutsche Tierschutzgesetz wird 2026 angepasst. · Ein Ausstellungsverbot für offensichtliche Qualzuchten gilt bereits nach dem deutschen Tierschutzgesetz. Nach § 11b gilt ein Tier in Deutschland seit Jahrzehnten als
Qualzucht, wenn Körperteile so umgestaltet sind, dass sie Leiden
verursachen. Mit einer klaren Symptomliste wird es das novellierte
Tierschutzgesetz den Kontrolleuren leichter machen, sich durchzusetzen. Das Tierschutzgesetz
steht rechtlich immer über den Schönheitsidealen der Rassezuchtvereine. Nur ein gesunder
Hund ist ein schöner Hund. · Pauschale Verbote einzelner Rassen können unfair sein,
wenn sie übers Ziel hinausschießen – wie man an unterschiedlichen „Kampfhund“-Listen auf Länderebene sieht. Innerhalb von Rassen kann es noch gesunde, vitale Zuchtlinien
oder sinnvolle Rettungsprojekte geben. Ob sich ein Hund bei 1 cm weniger „Nase“ oder 1 cm mehr Fell quält, kann
man pauschal nicht sagen. Insofern sind
Einzelfall-Entscheidungen sinnvoller. · Wenn Gesetze zu weit gehen, drängen sie die Zucht in die Illegalität (ohne Kontrolle). Gehen sie nicht weit genug, machen uneinsichtige Züchter
weiter wie bisher. Die rechtliche Haftung Durch die flächendeckende, EU-weite Chip- und
Registrierungspflicht im zentralen Haustierregister (mit einer Umsetzungsfrist für Züchter innerhalb von 4 Jahren)
ist jeder Welpe lebenslang digital mit seinem Züchter
verknüpft. Wenn Käufer Welpen erwerben, die aufgrund ihres angezüchteten
Felltyps chronische Hautentzündungen entwickeln oder deren Pflege im Alltag ohne häufiges Kürzen des „prächtigen“
Haarkleides tierschutzwidrig wäre, können Züchter über das Verbraucherschutz- und Tierschutzrecht
direkt haftbar gemacht werden. Im Rahmen der Gewährleistungspflicht (2 Jahre) ist dies im
Grunde längst möglich, wenn ein Hund die „zugesicherten Eigenschaften“ des
offiziellen Rassestandards
nicht erfüllt. Verantwortung der
Hundebesitzer Besitzer von überzüchteten Bearded Collies stehen lt.
Tierschutzgesetz in der Pflicht, ihre Hunde vor den Auswirkungen eines überzüchteten Fells zu
schützen: Die Hunde müssen „angemessen“ gepflegt werden. Sie dürfen nicht vernachlässigt werden (Filz, Ekzeme,
Ohrenentzündungen, Madenbefall usw.). Das Haarkleid soll jedoch nicht radikal mit der Schermaschine
bis auf die Haut abgeschoren werden; dies kann zu einer „Clipper-Alopezie“ führen und das nachwachsende Fell dauerhaft watteweich und noch
anfälliger für Filz machen. Sorgfältiges Kürzen des Fells in
senkrechten Lagen – so, dass es wie natürlich gewachsen fällt –, ist die einzige Möglichkeit, dem Hund seine Bewegungsfreiheit, seine Lebensqualität im Alltag, seine wahre Schönheit und
seine Würde zurückzugeben, ohne die Haarstruktur zu schädigen. Der angezüchtete Unsinn – massenhaft Fell, Ängstlichkeit,
Krankheiten, Intelligenzverlust – fordert einen extremen Tribut von verantwortungsbewussten Haltern von
Bearded Collies. Darum stehen auch die Züchter in der Pflicht,
Welpen-Interessenten richtig einzuschätzen: · Können und wollen die neuen Besitzer den ihnen anvertrauten
Hund so versorgen, wie es notwendig ist? Eine verantwortungsvolle Pflege lindert zwar
das Leiden der einzelnen Hunde, stoppt aber nicht das genetische Siechtum
innerhalb der geschlossenen Zuchtstrukturen.
Ein System aus gegenseitiger Absicherung (Züchter richten Hunde befreundeter Züchter, der Bock wurde
zum Gärtner gemacht), und mangelnder Einsicht hat bisher eine Kehrtwende unmöglich
gemacht. Ein Züchter, der in den letzten Jahrzehnten die
Zuchttauglichkeit seiner Hunde bestätigt bekommen wollte, war gezwungen, den Richtern das zu zeigen, was sie sehen
wollten: glamouröses Fell. Nur wenige Züchter, die dabei nicht mitmachen wollten, konnten
sich im Lauf der Jahre behaupten – und das nur mit Hunden, deren Körperbau so exzellent gewesen
sein muss, dass kein Ausstellungsrichter „an ihren vorbeikam“. Ohne massiven offiziellen und rechtlichen Druck von außen hat
sich in den Rasseclubs nichts geändert. Genau an diesem Punkt setzt die EU-Heimtierverordnung an: Sie bricht die Autonomie der Zuchtvereine, indem sie den rechtlichen Hebel direkt bei den Behörden und
Amtsveterinären ansetzt. die dem Rassestandard entsprechen und nicht eingehalten
wurden, werden sich nicht von heute auf morgen züchterisch umsetzen
lassen. Bei anderen Rassen werden Rassestandards geändert werden
müssen – den Bearded Collie betrifft das nicht. Er hat einen geschichtlich gewachsenen Standard, der lediglich
beachtet und umgesetzt werden müsste. Dies wurde bereits seit den 1970er-Jahren von den Züchtern
versäumt. Eine Umkehr wird innerhalb der engen bestehenden Zuchtgrenzen
kaum noch möglich sein, weil inzwischen die genetische Reserve für eine
„Retro-Zucht“ fast völlig fehlt.
Wenn ein extremes Merkmal in einer geschlossenen Population genetisch fixiert ist, kann man es nicht mehr wegzüchten, ohne fremde Gene
einzubringen (Outcross). Ein wetterfestes, harsches, mittellanges Fell mit mäßiger
Unterwolle lässt sich nicht aus dem Hut zaubern. Das Genmaterial für das ursprüngliche, pflegeleichte und dem
Rassestandard entsprechende Fell und auch für die nervenstarke, wesensfeste Arbeitsintelligenz
ist in den Showlinien fast ausgestorben. Man kann nicht herbeizüchten, was im Erbgut nicht mehr
vorhanden ist. · Die Sackgasse: Wenn die
EU-Verordnung vorschreibt, dass ein Hund ein gemäßigtes Fell haben muss, um legal an Ausstellungen teilzunehmen und zur Zucht
zugelassen zu werden, die traditionellen Showlinien aber genetisch nur noch Hunde
mit extremem Fell hervorbringen können, werden diese Zuchtlinien zu einer biologischen und rechtlichen
Sackgasse. · Der genetische Aussterbeprozess: Wenn eine Hunderasse in eine solche Sackgasse gerät, tritt ein vorhersehbarer Domino-Effekt ein. Solch ein Niedergang verläuft vorhersehbar: 1)
Verantwortungsbewusste Züchter sagen Nein: Sie weigern sich, Welpen zu
züchten, - die in einigen Punkten nicht mehr dem gültigen Rassestandard
entsprechen, - die in Gefahr sind, Krankheiten zu entwickeln und - ein Leben lang aufwendige, unzumutbare Pflege zu brauchen. Mühsam versuchen sie, die letzten akzeptablen Gene
aufzutreiben, oder geben frustriert auf. 2)
Radikalisierung: Die verbleibenden Züchter sind oft die
ideologisch extremsten – jene, denen es
ausschließlich um Ausstellungen, Titel und die
Aufrechterhaltung des „Glamour-Looks“ um jeden Preis geht, ungeachtet der
genetischen Folgen und des Wohlergehens der Hunde. 3)
Einbruch der Nachfrage: Mit der Zeit erkennen immer mehr Welpen-Interessenten die
Missstände. Da gesunde, wesensfeste
Tiere immer seltener werden, die Tierarztkosten explodieren und die Fellpflege im
Alltag kaum noch zu bewältigen ist, sinkt die Nachfrage nach Welpen
drastisch. Die Anzahl der
Wurfregistrierungen geht von Jahr zu Jahr zurück. Dies haben wir bei den Beardies erleben müssen, allen
Warnungen zum Trotz. Die Krise des Bearded Collies ist eine fatale Kombination aus
verfehlter Rassepolitik, genetischer Verarmung und schwerwiegender gesundheitlicher
Folgen.
Geht das überhaupt noch? Nein. Eine Verbesserung innerhalb der Rasse ist mathematisch und
biologisch nicht mehr möglich. Aus einem leeren Genpool kann man keine gesunden Gene
herbeizüchten, im Gegenteil: Die Rasse wird trotz Selektion immer weiter
geschwächt. Würde mit wenigen noch verfügbaren Arbeitsbeardies
weitergezüchtet, gäbe es wieder den „Popular sire“-Effekt. Züchtern, die nicht mit einer illegalen Zucht „in den
Untergrund abtauchen“ wollen, bleibt dennoch vorerst nichts anderes übrig als die gezielte
Auswahl in der Wurfkiste, anhand der Beschaffenheit des Welpenfells. Nicht immer haben alle Welpen eines Wurfs die gleiche
Fell-Veranlagung.
Dieser Umschwung wird jetzt nicht mehr einfach sein, weil die Gene für ein standardgerechtes Haarkleid extrem rar
geworden sind. Trotzdem wird es noch Züchter geben, die sich bei ihrer Ehre oder ihrem wirtschaftlichen
Überlebensinstinkt gepackt fühlen. Noch bleibt das geschulte Auge des Züchters auf den
Hunde-Nachwuchs sein bestes Werkzeug. Dass der Bearded Collie reinerbig die rezessiven
Langhaar-Allele l/l trägt, ist Fakt; Kurzhaar-Beardies gibt es nicht (das wäre L/L oder L/l). Extremes Fell wird polygen vererbt, also über die Beteiligung
mehrerer Gene. Die tatsächliche Haarlänge, die Nährstoffversorgung der
Haarwurzel, hormonelle Einflüsse, die Dauer der Wachstumsphase, die Wachstumsgeschwindigkeit und
die Haardichte werden von zahlreichen Modifikationsgenen gesteuert. Mutationen oder ein Funktionsverlust des Gens FGF5 führen
dazu, dass die Wachstumsphase der Haarfollikel künstlich verlängert
wird: Das Haarwachstum stoppt einfach nicht rechtzeitig.
Vielleicht wird es eines Tages zuverlässige Gentests für den
Haarlängen-Regulator FGF5 geben. Bis die Modifikationsgene vollständig entschlüsselt sind, bleibt ein umfassender Welpen-Gentest zur Auswahl künftiger
Zuchthunde noch Utopie. Sobald die Wissenschaft die genauen Modifikator-Muster für die
Haarlänge entschlüsselt hat, können Züchter über einen polygenen Risiko-Score vorab
bestimmen lassen, welche Welpen die Gen-Kombination für extremes Langhaar nicht
in sich tragen (es werden sehr wenige sein). Für eine genomweite Assoziationsstudie (GWAS) fehlen der Wissenschaft inzwischen die Vergleichshunde. Man bräuchte eine ausreichende Anzahl an Bearded Collies mit
korrektem Fell (ca. 100 oder mehr), die man der gleichen Anzahl überzüchteter Hunde
gegenüberstellt, um das DNA-Profil abzugleichen. Aufgrund der genetischen Verarmung der Rasse – es gibt fast
nur noch Beardies mit überzüchtetem Fell – sind Kontrollhunde mit standardgerechtem Fell kaum noch zu
finden. Nebenbei: Hunde sollten sich nicht nach „Schema F“ paaren müssen, sondern die
Sympathie ist entscheidend. Ihr Instinkt sagt ihnen, ob sie zueinander passen oder nicht
und wann der richtige Zeitpunkt ist. Zu unserer großen Freude – und sicherlich weniger zur Freude
von zwangsverpaarenden Züchtern – wird im EU-Heimtiergesetz nun auch der Vergewaltigung von
Hündinnen ein
Riegel vorgeschoben, weil eine „physische Einschränkung der Bewegungsfreiheit
während der Paarung“ dem natürlichen Verhalten zuwiderläuft und das Wohlergehen der
Tiere beeinträchtigt. Doch wer kontrolliert das? Knackpunkt Stirnhaar Es sieht so aus, als ob unfrisiertes Stirnhaar, das die Augen
verdeckt, ein starker Anhaltspunkt sein wird, wenn es darum geht, einen Bearded Collie von Ausstellungen und
von der Zucht auszuschließen, und zwar sowohl gemäß EU-Verordnung als auch nach der Novelle
des Tierschutzgesetzes 2026 (Blindheit). Wenn ein Hund seine Welt nur durch einen Vorhang sieht, werden
Ängste und
Orientierungslosigkeit gefördert. Freie Sicht wird beim Bearded Collie nicht allein durch die
Haarlänge bestimmt, sondern maßgeblich durch die Anatomie des Schädels. Der alte Beardie-Typ zeichnete sich durch ausgeprägte
Knochenwülste über den Augen aus. Diese Knochenstruktur sorgt dafür, dass das Stirnhaar
natürlich zur Seite fällt und die Augen freigibt. Beim modernen Show-Typ wurde diesen Wülsten meist wenig
Beachtung geschenkt, wodurch das Haar unweigerlich wie ein Vorhang vor die Augen
fällt. Eine rückwärtsgerichtete Zucht (Retrozucht) muss daher auch
den Knochenbau des Schädels im Blick haben, um dem Hund seine visuelle Orientierung und Kommunikation
zurückzugeben – für freie Sicht ohne Spangen und Zöpfe.
Auswahl geeigneter
Zuchtpartner Dass man künftig nicht mehr die Rüden mit dem „schönsten“,
sprich üppigsten Show-Fell wählen sollte, bedarf keiner weiteren Erklärung. Züchter müssten Hunde konsequent aus der
Zucht nehmen, deren Fellpflege im Alltag ohne extremes
Bürsten und Kämmen kaum noch zu bewältigen ist. Das hieße zum aktuellen Zeitpunkt (2026),
nahezu alle aktiven Zuchthündinnen in Rente zu schicken. Kaum ein Züchter wird das tun, wenn er nach
dem Grundsatz lebt, dass eine Hündin „sich zumindest selbst
tragen“ muss, also keine Kosten verursachen darf: Ihre Welpen bringen das Geld für ihren
Unterhalt ein, möglichst etwas darüber hinaus. Genomischer
Inzuchtkoeffizient Es ist ein offenes Geheimnis, dass Bearded Collies durch den
Einsatz weniger prämierter Deckrüden inzwischen sehr eng miteinander verwandt sind, zumal die Rasse in den 1950er-Jahren mit wenigen Stammhunden
aufgebaut wurde. Der Inzuchtkoeffizient liegt in der Gesamtpopulation auf einem
kritisch hohen Niveau. Er sollte über mindestens 10 Generationen berechnet werden;
denn es nützt wenig, dem gutgläubigen Welpenkäufer über wenige Generationen keine doppelten
Ahnen im
Stammbaum vorzuweisen. Heutzutage bietet die moderne Genetik die Möglichkeit, im Labor den tatsächlichen, genomischen Inzuchtkoeffizienten
(gCOI) auf DNA-Ebene zu ermitteln. Der gCOI gibt an, wie viel Prozent des Erbguts eines Hundes
reinerbig vorliegen (ideal: unter 5 %). Dies ist ein entscheidender Fortschritt, da Wurfgeschwister durch die zufällige Verteilung der Gene
unterschiedliche Anlagen erben und somit eine stark variierende Reinerbigkeit (Homozygotie)
aufweisen können. Das extreme Show-Fell ist letztlich das Resultat einer
Inzuchtdepression: einer Anhäufung rezessiver Modifikationsgene. Bei gezielten Verpaarungen mit einem nachweislich niedrigen
gCOI bekommt das Haarkleid die Chance, genetisch bedingt wieder robuster, harscher und kürzer zu
werden. Sobald Schwarz auf Weiß auf dem Papier steht, dass der gCOI einer Zuchtlinie kritisch hoch ist (ab 10 %) und
keine gesunden Verpaarungen mehr zulässt, bricht das Argument der Reinzucht von Rassehunden zusammen. Wenn Verpaarungen auf dieser Ebene nicht zugelassen werden
würden, wäre solch ein Verbot der Engzucht, das vom Rassezuchtverein
ausgeht, ein echter Kontrollfaktor, ohne dass man ein Gesetz bräuchte.
So kann ein idealer
Ausstellungssieger aussehen. Heute würde er so als
geschoren gelten und könnte „keinen Blumentopf“ gewinnen. Beardie-Züchter werden sich nun darauf einstellen müssen, dass das Gesetz die maßgebliche Richtlinie vorgibt und nicht länger die persönliche Ansicht von
Ausstellungsrichtern, die die Vorgaben des Rassestandards bisher allzu oft ignoriert
haben. Der FCI-Standard des
Bearded Collies fordert bis heute ein „hartes, kräftiges und zottiges“ Fell. Es war allein die Fehlinterpretation der Zuchtrichter bei
Ausstellungen, die das überaus lange, dichte Show-Fell zum Ideal erhoben
hat. Üppiges, überlanges Haar sieht im Show-Ring spektakulär aus, ist aber für einen aktiven Hund im Alltag eine Qual, weil es verfilzt, eine Menge Schmutz sammelt und das
Regulieren der Körpertemperatur behindert. Durch das strikte Verbot kosmetischer Eingriffe im
Ausstellungsring entsteht nun für die Show-Linien eine rechtliche Sackgasse: Da Spangen, Gummibänder und das Manipulieren mit Haarspray im
Ring verboten sind, der Hund das Stirnhaar aber mangels Knochenstruktur vor den
Augen hängen hat, gilt: · Entweder der Hund sieht nichts, was ein Qualzuchtmerkmal darstellt und zum Ausschluss führt, · oder er ist frisiert, was als Regelverstoß ebenfalls den Ausschluss nach sich
zieht. Was machbar und notwendig ist: Zuchtvereine müssen Richter künftig verpflichten, Hunde mit kürzerem,
harschem Fell radikal vorzuziehen und überlanges, weiches, seidiges Fell als
zuchtausschließenden Fehler zu bewerten – so, wie es der Rassestandard in Amerika mit dem
Ausschluss von „excessively long,
silky coat“ (übermäßig langem, seidigem Fell) bereits vorbildlich
vorschreibt – theoretisch … Wenn das überzüchtete Show-Fell im Ausstellungsring keine
Chance mehr hat, regelt sich der Markt und damit das Zuchtverhalten in wenigen Generationen von
selbst. Dabei darf jedoch niemals der Fokus verlorengehen: Auch der korrekte Körperbau und die Wesensfestigkeit sind wichtig. Fell, Anatomie und starke Nerven gehören untrennbar zusammen:
„fit for function“ (funktionstüchtig), wie es im Ursprungsland Großbritannien bei
Ausstellungen gefordert wird und wie es für einen Hund im Arbeitseinsatz gar nicht anders
geht. Züchter, die sich dem standardgerechten, ursprünglichen
Bearded Collie verschrieben haben, tun gut daran, ihre erwachsen gewordene Nachzucht online zu
präsentieren – und zwar möglichst lückenlos und natürlich unfrisiert: ohne
Haarspangen, Gummibänder, Zöpfe oder Haarspray. Fotos von „Familientreffen“ bieten eine gute Gelegenheit für
Transparenz (sofern alle abgebildeten Personen mit der Veröffentlichung
einverstanden sind). Die Sichtbarkeit erwachsener, gesunder, urwüchsiger,
wesensstarker und sozial verträglicher Hunde ist das beste und nachhaltigste Verkaufsargument für informierte
Welpenkäufer. Im Gegenzug entlarven geschorene Bearded Collies im
Straßenbild die standardwidrige Zucht und die Überforderung der Hundehalter.
Outcross-Projekte sind nicht die Lösung! Um es gleich vorweg zu sagen: Wir halten das Einkreuzen fremder Rassen nicht für den
richtigen Weg. Unser Appell an die Züchter:
Bitte lasst es bleiben! Auch Hunde aus einer Retrozucht
werden Probleme haben. Wie wir wissen, haben verantwortungsbewusste britische Schäfer es schon vor
Jahren überwiegend abgelehnt, ihre Arbeitsbeardies zur Auffrischung der „Show-Gene“ herzugeben – mit anderen
Worten: Mit Weitsicht weigerten sie sich,
dazu beizutragen, dass
Welpen geboren werden. Die sehr erfahrene Züchterin Dr.
Lynne Sharpe/„Brambledale“, die noch über ursprüngliche Bearded Collies
verfügte, startete im Jahr 2001 mit
Arbeitsbeardies ein Outcross-Projekt, das recht gut gelang (abgesehen
davon, dass sie das Merle-Gen tolerierte). Einige dieser Nachkommen gingen
auf dem Kontinent in die Beardie-Zucht ein, dank des Zuchtregisters des BCCD,
das diese Hunde akzeptierte. Ein Jahrzehnt später musste die
Brambledale-Linie aus Altersgründen eingestellt werden. Die wenigen genetischen Spuren
dieser Outcross-Beardies sind weitgehend versandet. Als genetische Außenseiter kamen sie für viele Züchter als Zuchtpartner nicht in Frage. Ihre Nachkommen hatten bei
Ausstellungen „schlechte Karten“, gelangten kaum in die Zucht, wurden aber von Liebhabern der
Rasse als etwas Besonderes geschätzt. Heutzutage sind selbst die britischen Arbeitslinien teilweise nicht
mehr „das Gelbe vom Ei“: Viele dieser Hunde erinnern an
Border Collies, haben spitze Schnauzen, und auf Fotos lässt bei einigen
der Körperbau sichtlich zu wünschen übrig – vom fehlenden, einst
rassetypischen, sanften „Schmelz im Blick“ ganz zu schweigen: Ein scharfer Hüteblick – wie bei
Border Collies – kommt in Arbeitslinien von Bearded Collies vor und wird von Liebhabern der Rasse
abgelehnt.
Beim Einkreuzen fremder Rassen (Outcross) gäbe es dasselbe Problem, das die umsichtigen Besitzer von britischen Arbeitsbeardies
erkannt und zurückgewiesen haben: Den Nachkommen aus solchen Verpaarungen wäre langfristig wenig
gedient, weil kranke Veranlagungen immer
wieder durchschlagen würden, sobald sich die entsprechenden
Gene in späteren Generationen begegnen. Wer etwas Neues aufbauen will,
muss mit einem stabilen Fundament beginnen, nicht
mit einem brüchigen. Ein festes Fundament gibt es für
Bearded Collies nicht, wenn man mit kaputtgezüchteten
Hunden anfängt und neue Gene „anflickt“. Und: Das Fell ist nicht alles! Wir haben zahlreiche Hütehundrassen daraufhin überprüft, ob sie sich theoretisch als Zuchtpartner
eignen würden: Bei allen gibt es Punkte, die
nicht zum Beardie passen, sei es äußerlich (z. B.
Körperbau, spitze Schnauzen), charakterlich (Derbheit, starrer Hüteblick), Gesundheit und auch im Hinblick
auf genetische Diversität (Engzucht).
Border Collies mit scharfem Hüteblick Ein Bearded Collie, der noch über Hüteinstinkt
verfügt, senkt genauso den Kopf, aber in Ruhe. Er ist nicht so hektisch und scharf wie ein Border Collie. Nicht einmal der Border Collie, die am engsten verwandte
Rasse, kommt heute noch als Zuchtpartner in Frage (in der Beardie-Gründungsphase nach dem Zweiten Weltkrieg
kamen beide Rassen im selben Wurf zur Welt, man unterschied sie vor allem anhand der Ohrform).
Diese beiden Wesensarten zu mischen, würde den ursprünglichen Charakter des Beardies endgültig
zerstören. Ein klares Stopp-Signal: Bitte nicht noch einmal Experimente
mit „Bernollies“ (mit Berner Sennenhund: hohes HD-Risiko, erbliche Krebsform,
geringe Lebenserwartung von nur etwa 7 – 9 Jahren) und auch keine „Bearottis“ (mit
Rottweiler, der zu Aggressivität neigt)!
Züchter sehen es so: Alternative
A: Reinzucht beibehalten: Der sichere Untergang der
Rasse durch Inzuchtdepression: immer stärkeres
Versagen des Immunsystems, viel Krebs, Sterilität, Totgeburten oder nur kurz
lebensfähige Welpen, und das stark
überzüchtete, lange, nicht mehr harsche Fell bleibt. Alternative
B: Auskreuzen wagen: Das Risiko, sich
unkontrollierbare Gene in die Zucht zu holen und dass sich Schadgene bei späteren Verpaarungen wieder treffen,
bleibt ein kynologisches Glücksspiel – auch mit
wissenschaftlicher Begleitung, solange es nicht für alles einen Gentest gibt. Es ist eine
Chance, eine Rasse einigermaßen zu erhalten; doch es wird nie wieder dasselbe
sein wie früher. Und es ist sehr
schwierig, eine Rasse zu finden, die wirklich gut passt. Auskreuzen
scheint das kleinere Übel zu sein. Man nimmt in Kauf, dass die
nächsten Generationen von Welpen in Gefahr sind, Krankheiten zu entwickeln und dass sie auch die
Geräuschempfindlichkeit immer weiter ertragen müssen. Wenn Einkreuzungen wegen dieser
Gefahr nicht in Frage kommen: Wie viel mehr sind dann Welpen
aus Verpaarungen reinrassiger Bearded Collies in Gefahr! Um die Jahrtausendwende hätte man
das Ruder noch herumreißen können, heute geht das nicht mehr. Es gibt einfach
Rassen, von denen man sich verabschieden muss, wenn das Leben weder für die
Hunde noch für ihre Menschen noch für die Tierärzte eine Freude ist. Tierärzte und auch Tiertrainer
können nicht alles reparieren und „geradebiegen“, was in der Zucht
schiefgelaufen ist. Die rechtliche Entwicklung ebnet den Weg für staatlich verordnete Zuchtprogramme.
Outcross per Gesetz wird zur realen Option. Die EU-Heimtierverordnung und die Liste der Qualzuchtmerkmale wirken in ihrer kompromisslosen Form wie ein unaufhaltsamer
Katalysator für das Aussterben der Bearded Collies in ihrer übertypisierten Form. Wenn es in geschlossenen Zuchtregistern kaum noch
gesetzeskonforme Hunde gibt, bricht das System der reinen Rassezucht zusammen. Da Züchter die verankerten Langhaargene in ihrem aktuellen
Zuchtbestand nicht einfach per Knopfdruck abschalten können, wird die konsequente rechtliche Durchsetzung der EU-Verordnung das
Zuchtregistersystem wahrscheinlich spalten, denn nicht alle Züchter werden es wahrhaben wollen, dass
„halbe Sachen“ der Rasse auf Dauer schaden, erst recht rückgekreuzt auf vielleicht „Dreiviertelbeardie“
oder mehr. Während etablierte Zuchtvereine eine Blutauffrischung
traditionell verbieten, sitzen die Züchter in der Falle. Damit riskieren diese Vereine nun, die Kontrolle über die
Rasse vollständig zu verlieren. Die Tierschutzgesetze zwingen die Vereine zum Handeln, weil
die Fortführung einer Zucht, die bewusst „übermäßig ausgeprägte Körpermerkmale“
hervorbringt, rechtlich untersagt werden kann, wenn die Hunde darunter leiden.
Wenn eine Rasse genetisch so sehr verarmt ist, dass fast keine
Hunde ohne Leiden mehr existieren, können Behörden die Zuchtordnung des Vereins für ungültig
erklären. Ist eine Rasse genetisch so stark geschädigt, dass gesunde Hunde innerhalb des geschlossenen Zuchtbuchs
nicht mehr gezüchtet werden können, muss der VDH wissenschaftlich begleitete Kreuzungsprogramme genehmigen. Tut er das nicht, ist damit zu rechnen, dass alternative Zuchtvereine außerhalb des VDH großen Zulauf
bekommen, bei denen die bürokratischen Hürden für Outcross-Projekte
niedriger sein können als beim VDH. Wer als Züchter der EU-Heimtierverordnung entsprechen und einen mittelgroßen, zottigen und dennoch pflegeleichten
Familienhund erhalten möchte, wird sich genötigt fühlen, sich außerhalb der geschlossenen
Zuchtbücher umzusehen. Um ein totales Zuchtverbot abzuwenden, werden Vereine per Gesetz gezwungen, wissenschaftlich begleitete Einkreuzungsprogramme mit
geeigneten Fremdrassen umzusetzen – völlig unabhängig vom Willen der etablierten Show-Züchter. Wer sich gegen diese Maßnahmen sperrt, verliert seine
Zuchtgenehmigung. Noch einmal: Bitte lasst es bleiben! Man würde das Leid der Hunde nur verlängern.
Wird dennoch mittels Auskreuzen eine andere Richtung, ein neuer
Zuchtweg eingeschlagen, darf kein Tunnelblick in die gegensätzliche Fell-Richtung
entstehen. Es darf nicht nur um die Länge des Fells gehen: Wichtig ist
u. a. auch eine harsche, wetterfeste, pflegeleichte Textur. Parallel dazu müssen weitere fundamentale Kriterien wieder in
den Fokus rücken:
Fehler, die bisher unter viel Fell versteckt werden konnten,
müssen zum Wohl der Hunde aufgedeckt werden, auch durchtrittige Pfoten, die im Show-Ring sogar bei Champions „übersehen“ werden und doch häufig schon bei jungen Beardies zu sehen sind
(fehlende Festigkeit von Sehnen, Bändern, Muskeln). Ein straffes, sehniges Gewebe geht genetisch selten mit
extremem Plüschfell einher. Erwünscht ist beim Beardie ein federnder Gang, wie beim
„Schnüren“ eines Wolfes. Beim Wolf federt die Muskulatur den Schritt ab. Beim durchtrittigen Bearded Collie ist das „Federn“ kein
Zeichen von Kraft, sondern vom Durchsacken der Gelenke aufgrund labiler Bänder. Das ist kein ökonomisches Dahingleiten, sondern eine
mechanische Überlastung bei jedem einzelnen Schritt, die auf Dauer zu schwerer Arthrose führen kann. Zudem muss gezielt wieder auf die Knochenwülste über den Augen geachtet
werden, damit das Stirnhaar wie früher von Natur aus zur Seite fällt –
was für Familienhunde genauso wichtig und sinnvoll ist wie für
Arbeitsbeardies: freie Sicht.
Vermehrt muss auf unterschiedliche und auch seltene Haplotypen
geachtet werden, um über die Vielfalt des Immunsystems die rassetypischen
Autoimmunerkrankungen in den Griff zu bekommen. Die Gefahr dabei: Rüden mit seltenen Haplotypen können
wiederum zu „popular sires“
werden, was eine enge Verwandtschaft fördert (Inzuchtkoeffizient). Neben der ohnehin vorgeschriebenen HD-Untersuchung (möglichst
mit Wiederholung im 3. Lebensjahr) sollte für jeden Züchter die ethische Pflicht zur Untersuchung
auf ED und OCD ebenso selbstverständlich sein wie jährliche Kontrollen der
Augen bis zum 6. Geburtstag; denn es gibt erbliche Augenkrankheiten, die sich spät
entwickeln, z. B. PRA, RPED, Grauer Star. Hunde, die Nachkommen mit viel Weiß am Kopf haben, gehören
nicht in die Zucht: Taubheit vorbeugen.
Das Zuchtziel muss ein mental stabiler Hund sein: weder ängstlich noch aggressiv, selbstbewusst und doch
leichtführig, gehorsam, sanft.
Eigenständiges Denken und die Fähigkeit zur Problemlösung
müssen erwünscht sein. Reine Befehlsempfänger und „Kriecher“ sind nicht das, was das
wahre Wesen eines Bearded Collies ausmacht. Ein intelligenter Hund, der verstanden wird, ist leichter zu
erziehen als einer, dem es an Grips mangelt.
Wie würde sich das Einkreuzen von
kürzerem Fell auswirken? Nachkommen mit einem kürzer
behaarten Hund hätten in der ersten Generation kürzeres Haar. Verpaart man diese F1-Generation
untereinander (von verschiedenen Eltern natürlich) oder kreuzt sie zurück an den
Bearded Collie, erhält man in der F2-Generation wieder langhaarige Hunde; allerdings werden die extremen
Modifikationsgene, die das bisherige Fell bestimmten, durch das Erbgut des kürzer
behaarten Hundes nachhaltig „verdünnt". Das Fell wird automatisch kürzer,
je nach Zuchtpartner auch harscher und pflegeleichter. Rückgekreuzt bis in die vierte
Generation (F4), könnten die Nachkommen wieder als
reinrassig registriert werden (Phänotyp: Bearded Collie), ausgestattet mit „frischem Blut“
und einem weniger belastenden Fell. Aber: All das, was genetisch
bisher nicht in Ordnung war, bleibt in der Rasse, kommt immer wieder durch. Beispiel 1: Seit 1994 gibt es den Wäller Hütehund, eine Kreuzung aus Briard und Australian Shepherd. Bis heute ist
die Rasse so uneinheitlich, dass sie vom VDH nicht anerkannt wurde. (Stand:
2026) Immer noch
werden die Ursprungsrassen hinzugenommen – ein „Designerhund“. Wir sahen einen
Rüden, der einem der überzüchteten Beardies sehr ähnlich war; anhand des
Aussehens seiner Eltern hätte man solch ein Ergebnis niemals vermutet. Vor Jahren
hatten wir Kontakt mit der Rassegründerin der Wäller: Als Zuchtziel
nannte sie, die Rasse solle äußerlich und charakterlich so werden, wie der
Beardie früher war.
KI-Zeichnung, dem Fotos eines Wäller Hütehundes nachempfunden Wäller sehen überwiegend völlig anders aus. Beispiel 2: Beim Kromfohrländer dauerte es nur 10 Jahre bis zur Anerkennung als Rasse. Sie geht – wie die Beardies – auf wenige
Gründertiere zurück, ist inzwischen genetisch am Ende: sehr krank, Wesensmängel. Man versucht es europaweit mit Einkreuzungen
von Rassen, die völlig andere Eigenschaften haben: Dansk-Svensk Gårdshund, Parson Russell Terrier, Pudel, Tibet Terrier. Was wird bleiben von der einst so
liebenswerten Mischung aus einem griffonähnlichen
Rüden und einem Foxterrier-Mädel? Antrag auf ein Outcross-Projekt Für Menschen, die sich einen Hund wünschen, ist die Vorhersehbarkeit von Wesen und Gesundheit das stärkste
Argument für einen Rassehund. Wenn aber überwiegend Ängstlichkeit und Krankheiten
vorherzusehen sind, wenden sich die Welpen-Interessenten ab: schwierige Erziehung,
Tierarztkosten. Ein Problem hört nicht auf, wenn man die Augen davor
verschließt. Einen Outcross-Antrag beim VDH darf nur der Rassezuchtverein
stellen, mit einem detaillierten Zuchtplan. Ein einzelner Züchter als Privatperson darf das nicht, er kann
sich nur an den Verein wenden. · Der VDH prüft den Antrag. · Mit dem wissenschaftlichen Beirat, Tierärzten und Genetikern
wird eine Strategie ausgearbeitet. · Es wird festgelegt, welche Fremdrassen zugelassen werden und was es für die Gesundheit zu bedenken gibt, zum Beispiel
Gentests, Belastungstests. · Das kann einige Monate dauern. Das alles wird für den Bearded Collie mehr oder weniger
Theorie bleiben. Solange die Probleme geleugnet werden und Züchter nicht sehen
wollen, welchen Schaden sie bei den Hunden anrichten (und in den
Familien: „zitternder Wollhaufen“, Tierarztkosten), wird niemand einen Antrag beim VDH einreichen. Ein Outcross-Projekt zu beantragen, wäre das offizielle
Eingeständnis, dass die eigene jahrzehntelange Zuchtphilosophie der Clubs
gescheitert ist.
Lohnt sich der Aufwand überhaupt
für die (profitorientierten) Züchter? Wer sich heute für einen Beardie
interessiert, hat in den seltensten Fällen noch urige Beardies mit all ihren Vorzügen
kennenlernen können, in den 1970er-, vielleicht noch 1980er-Jahren. Die Käuferschicht hat sich mit dem Beardie
gewandelt: Er wurde vom arbeitstüchtigen,
gutmütigen Hüte- und Familienhund zu einem Vorzeigeobjekt. Somit ist der echte,
standardgerechte Beardie heute eher etwas für Liebhaber als für Personen, die Wert auf
bloße „Schönheit“ legen und fragen: „Wer braucht schon einen
Arbeitshund im Wohnzimmer?!“ Ein Beardie war früher ein
wunderbarer, liebevoller Freund der ganzen Familie: -
ein hochintelligenter,
lerneifriger, unternehmungslustiger „ganzen Kerl, mit dem man etwas anfangen
kann“ -
ein robuster und dennoch zärtlicher
Kuschelfreund und Aufpasser der Kinder -
ein gesunder, ausdauernder
Sportkamerad -
ein dankbarer Hund, wenn
Frauen ihren Pflegetrieb ausleben wollten -
ein lieber Freund für kleine
und große Tiere, vom Kaninchen bis zum Pferd (Reitbegleithund) -
ein aufmerksamer Wächter und
Beschützer. Insgesamt ein Hund, der so
richtig zur Sehnsucht der Menschen nach Liebe und nach Natur passt. Aber wer weiß das heute noch … Es stellt sich die Frage: Lohnt
es sich für die Züchter finanziell, standardgerechte Beardies zu züchten? Wäre überhaupt die Nachfrage nach einem vierbeinigen
Naturburschen da? Wenn Bearded Collies in Europa aufgrund der
Qualzucht-Bestimmungen nicht mehr Ausstellungssieger werden können, dürfen sie keine FCI-Papiere mehr bekommen (in Deutschland:
VDH-Ahnentafeln). Nach Amerika beispielsweise wurden europäische Beardies bisher
exportiert. Nun wird es mehrere Möglichkeiten geben:
weg vom „Glamour-Beardie“, weg vom „hyper-profuse, over-abundant coat“ (den der AKC-Standard ohnehin verbietet, theoretisch …).
wo man auf Aufklärung und verschärfte Zuchtrichtlinien des Kennel
Clubs setzt. Das hat dort beim
Bearded Collie bisher den Ausschluss des Merle-Gens bewirkt, mehr nicht. Länder wie die USA
könnten somit immer noch auf britische Beardies zurückgreifen, die ohnehin als das
einzig „Wahre“ gelten, aus dem Mutterland der Rasse. Ohne
„transatlantischen Gentransfer“ (incl. Sperma) wird die
amerikanische Beardie-Population weiter verarmen, wodurch rassetypische
Krankheiten amerikanischer Beardies noch weiter zunehmen werden. Im Jahr 2024 gab es
in den USA nur noch 24 im AKC registrierte Würfe, für 2025 war keine
Zahl mehr zu bekommen.
wenn sie weiterhin
Beardies auf den europäischen Kontinent verkaufen möchten. Wer mit einem
offensichtlich überzüchteten Beardie zur Crufts reist, kann erhebliche
Probleme bekommen: Bilder von solchen
Veranstaltungen werden zum öffentlichen Beweismaterial für Qualzuchthunde.
das Fell
standardwidriger Hunde so zu kürzen, dass die Manipulation kaum auffällt – was übrigens seit eh
und je für Ausstellungen/Zuchttauglichkeit verboten ist. Wir werden sehen, ob
im Jahr 2030, wenn die Verordnung vollumfänglich greift, Beardies mit einem
Fell im Show-Ring stehen werden, das dem Wortlaut des Standards entspricht: Doppelt, mit weicher, pelziger und dichter Unterwolle. Deckhaar glatt, hart, kräftig und zottig, weder wollig noch
lockig, obgleich eine leichte Wellung erlaubt ist. Die Länge und Dichte des Haarkleides ausreichend, um Schutz zu bieten und die Form des Hundes zur Geltung zu
bringen, jedoch nicht so viel, dass die natürlichen Linien des Körpers
verwischt werden. Das Haarkleid darf in keiner Weise getrimmt werden.
Wer wird dann übrig
bleiben? Auf Robustheit und
Arbeitstauglichkeit gezüchtete Farmbeardies, die allerdings oft
ihr Aussehen verändert haben (Phänotyp). Sie sind optisch
nicht mehr „echt“ – nicht mehr so, wie Bearded Collies einst von Mrs Willison
gezüchtet wurden. Sie verfügen auch oft
nicht mehr über den unvergleichlichen Charme der Beardies der
1960er-/1970er-Jahre, bevor das
züchterische Elend begann. Diese Hunde mögen
fantastische Arbeitshunde sein, aber viele bieten
nicht mehr die genetische Basis, um den echten, historischen Bearded Collie als eigenständige,
physisch und psychisch gesunde Rasse wiederzubeleben.
Inwieweit das alles „in Stein
gemeißelt“ ist und flächendeckend umgesetzt werden kann, wird die nahe
Zukunft zeigen. Vielleicht wird es zeitlich befristete Ausnahmegenehmigungen für kontrollierte Zuchtprogramme geben, die den Bearded Collie
nachweislich, messbar und dokumentiert zum „alten Typ“ zurückführen sollen: standardgerecht – so, wie er
immer gedacht war.
Über das „wood wide web“ sind alle Bäume miteinander verbunden, über gemeinsame Ahnen und die gemeinsame Beardie-Seele sind
alle Bearded Collies verbunden. Um das Jahr 2000, als wir mit unserer Aufklärung begannen, brauchte man kein Prophet zu sein, um das Elend vorauszusagen, das
damals längst begonnen hatte. Bereits 1989 hatte die sehr üppig behaarte Hündin Cassie
die große Ausstellung Crufts gewonnen, also ging die Zucht weiter in diese Richtung. Um die Jahrtausendwende war es der Blick auf den Anfang vom
Ende einer einst robusten Rasse – und ein Umdenken der Züchter war nicht zu erkennen. Der Bearded Collie war ursprünglich ein zäher schottischer
Hütehund, der bei Wind und Wetter durch die steinigen Highlands rennen
musste, um Vieh zu hüten. Ein Hund mit dem heutigen Fell und den durchtrittigen Pfoten
könnte dort nicht überleben. Der Beardie wurde vom fröhlichen, eigenständigen,
selbstbewussten, nervenstarken Arbeitshund zum ängstlichen, pflegeintensiven Statussymbol und „Sofahund“. Schon vor Jahrzehnten wussten viele Beardies nicht mehr, was
sie an Schafen tun sollten, oder sie hatten sogar Angst vor Schafen. Wir haben den Bearded Collie in seiner besten, ursprünglichsten Form gekannt, mit seiner ganz besonderen Mischung aus Sanftmut, Lebensfreude
und Klugheit. Dafür haben wir ihn geliebt, deshalb haben wir ihn über
Jahrzehnte verteidigt. Es war sehr schmerzhaft, den traurigen Wandel und den Verfall
unserer Lieblingsrasse zu erleben. Die Hunde einer Züchtergesellschaft, die unbelehrbar die
systematische Zerstörung ihrer eigenen Rasse gewählt hat, kann man jedoch nicht retten, solange es eine Nachfrage nach überzüchteten
Bearded Collies gibt und solange beim Anblick von niedlichen Beardie-Welpen der
Verstand der Welpenkäufer aussetzt, solange die Welpenkäufer ausblenden, dass der Hund in Kürze
leiden wird: unter seiner „Haarpracht“, unter Filz, durchtrittigen Pfoten,
Ängstlichkeit, Erbkrankheiten … Wir hörten immer wieder, dass Züchter die Stimme der Vernunft
zum Schweigen brachten, bei „großzügiger“ Bewirtung mit Kaffee und Kuchen und mit
„Unsere Hunde sind in Ordnung!“ Zahlreiche „Ach, hätten wir doch auf Sie gehört!“-Beispiele
landeten auf unserem Schreibtisch. Zucht wird über die Nachfrage gesteuert, und eine kaputte
Zucht darf man nicht weiter „füttern“. Boykott war teilweise da, wie die rückläufigen Welpenzahlen zeigen, aber nicht genug, um die Züchter zum Umdenken zu bewegen – bis
quasi nichts mehr ging. Der Beardie ist das perfekte und traurige Beispiel dafür, dass der Tierschutz bei den Richterordnungen und
Rassestandards der Zuchtverbände ansetzen muss, anstatt darauf zu hoffen, dass ein Gesetz am Ende den Schaden
repariert. Wir haben die Wahrheit dokumentiert, als andere weggesehen
haben. Man muss das
Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu
erreichen. Hermann Hesse Unsere Arbeit zum Wohl der Beardies
war trotzdem nicht umsonst. Die Texte und Warnungen, die wir ab dem Jahr 2000 verfasst
haben, waren vielleicht nur ein paar Tropfen auf den heißen Stein,
aber sie haben mitgeholfen, die neue Gesetzgebung überhaupt erst möglich zu machen. Sensible, aufgeklärte Menschen haben mehr und mehr den Finger
in die Wunden der Rassehundezucht gelegt. Auch wenn sich die Rasse der Bearded Collies im geschlossenen
System nicht retten ließ, weil die Züchter ihre Scheuklappen nicht ablegen wollten und weil zu viele Welpenkäufer nicht rechtzeitig genau genug
hingesehen haben, so zeigt doch die aktuelle Entwicklung in Europa: Der beharrliche Einsatz für das Wohl der Tiere hat das
Mögliche erreicht. Ein tiefgreifendes Umdenken in der Gesellschaft, ein Erstarken des Tierschutzgedankens und letztendlich sogar
harte, gesetzliche Riegel durch die EU-Verordnung. Unsere Texte werden als historische Vorlagen bestehen bleiben, die
detailliert beschreiben, wie ein gesunder, standardgerecht einwandfreier Bearded Collie
sein sollte.
Wir – die Interessengemeinschaft COMING HOME zum Erhalt des
echten Bearded Collies – haben getan, was wir konnten, haben jahrzehntelang Pionierarbeit geleistet, haben uns Tag für Tag für das Wohl der Beardies eingesetzt, sind gegen den mächtigen Strom des Show-Trends und der
Zuchtideologien angeschwommen, haben unermüdlich Aufklärung betrieben, die Wahrheit
ausgesprochen und den Beardies eine Stimme gegeben. Zahlreichen Hunden und ihren Besitzern konnten wir mit unserer
Erfahrung ein Stück Lebensqualität schenken. Wir lehnen uns auch jetzt nicht zurück, denn es gibt immer wieder überzüchtete Beardies, die Hilfe
nötig haben: Hunde, die ängstlich oder krank sind oder die abgeschoben wurden und für den Rest ihres Lebens
einfach nur geliebt werden möchten. Die züchterische Arbeit müssen andere machen. Hoffen wir, dass die Einhaltung der neuen Gesetze bei Shows und
Wettbewerben wirklich sachkundig und unabhängig kontrolliert wird und nicht
weiterhin Auslegungssache bleibt, damit Hunde und Katzen nach der „Cats and Dogs“-Verordnung
eine Chance auf ein Leben ohne Qual haben. Nach wie vor gilt: „Wo kein Kläger, da kein Richter.“ Das jahrzehntelange Wegschauen wird in Zukunft nicht mehr so
leicht funktionieren wie früher. Zur Durchführung der gesetzlichen Vorgaben sollen vermehrt
Amtstierärzte direkt vor Ort eingesetzt werden, bei Hundeausstellungen und Wettbewerben. Die EU-Heimtierverordnung ist so formuliert, dass sie den Kontrolleuren keine Wahl mehr lässt, als rigoros
durchzugreifen. Außerdem werden Tierschutz-Organisationen Ermittler zu den
Shows und Wettbewerben schicken, die die Zustände dokumentieren und ggf. rechtliche Schritte wegen Untätigkeit im Amt gegen die Vertreter
der Behörden einleiten. Kein Amtstierarzt wird dieses persönliche und berufliche Risiko eingehen, indem er Hunde mit offensichtlichen Qualzuchtmerkmalen oder hinderlichen
Fellmassen einfach durchwinkt. Folgende Punkte haben das Potenzial, die Praxis im
Ausstellungsring radikal zu verändern: ü Das Sichtfeld: Bedeckt langes,
unfrisiertes Haar die Augen und schränkt das Sichtfeld ein, ist der Tatbestand
der Qualzucht (§ 11b TierSchG) im unmanipulierten Zustand zweifelsfrei
erfüllt. Ausreden gelten hier
nicht mehr. ü Die Wesensfestigkeit: Ein Hund, der
im Show-Ring Angst zeigt oder bei Geräuschen panisch reagiert, muss bei der behördlichen Überprüfung zwingend durchfallen. Das Ausstellen von Tieren, die unter erheblichem Stress oder
Angst stehen, ist gesetzlich verboten. Das Tierschutzgesetz untersagt das Präsentieren von Hunden, die unter erblich bedingten Verhaltensstörungen leiden. Das betrifft auch die in der Show-Zucht leider so oft vererbte
und tolerierte Ängstlichkeit. ü Die Motorik: Hunde, die an
ihren Fellmassen schwer zu schleppen haben und auf durchtrittigen Pfoten kaum eine Runde im Trab durch
den Ausstellungsring schaffen (obwohl diese Rasse einst für den ganztägigen harten
Arbeitseinsatz geschaffen wurde), müssen jedem Kontrolleur sofort auffallen. ü Die Konsequenzen: Züchter und
Besitzer, deren Hunde auf einer Show wegen Fellmassen oder Wesensmängeln behördlich erfasst werden, müssen mit sofortigen
Ausstellungs- und Zuchtverboten rechnen. Die betroffenen Tiere werden digital im neuen zentralen
EU-Register erfasst und für weitere Veranstaltungen und Zuchteinsätze gesperrt. ü Das Manipulationsverbot: Wenn
Ausstellungsrichter durch den behördlichen Druck gezwungen sind, mit Kosmetikprodukten manipulierte Hunde konsequent zu
disqualifizieren, weil andernfalls die Sperrung der
gesamten Veranstaltung durch das Amt droht, wird ein radikales Umdenken einsetzen müssen. Ein solches Disqualifizieren von „aufgehübschten“ Hunden wäre
nach den Statuten schon lange möglich gewesen. Um die Vereine zum Handeln zu zwingen, war erst ein Gesetz
nötig. In den nächsten Jahren bleibt abzuwarten, · ob es überhaupt
genügend Kontrolleure gibt · ob durchgegriffen
wird · ob es weiterhin bei Einzelfall-Entscheidungen bleibt oder ob überaus langes, üppiges Fell tatsächlich als generelles Qualzuchtmerkmal gewertet wird · ob Show-Beardies
schlussendlich konsequent wegen ihrer Übertypisierung gesperrt werden. Zuchtvereine werden sich dem Gesetz beugen müssen. Nach wie vor trägt der VDH die Verantwortung für eine gesunde
Hundezucht. Die rechtliche Grundlage ist vollständig da, um das extrem
überzüchtete Fell als Qualzucht einzustufen.
Ob tatsächlich der Tag kommen wird, an dem man bei Ausstellungen nicht mehr verächtlich auf den echten, standardgerechten Beardie herabsehen wird
(„der arme Vetter vom Land“), muss die Zeit zeigen. Dies gilt ohnehin nur unter der Voraussetzung, dass es den
echten „alten Typ“ bis dahin überhaupt gibt: einen Bearded Collie, der nicht nur ein standardgerechtes Fell
hat, sondern gleichzeitig gesund, wesensfest und intelligent ist. Wir glauben, dass der Zug für den
echten, standardgemäßen Beardie inzwischen abgefahren ist. Der genetische Kollaps und die Übertypisierung sind zu weit fortgeschritten, als dass man die Rasse auf die
eine oder andere Art noch retten könnte. Der ursprüngliche Bearded Collie
– der athletische, fröhliche, sanfte Hund mit mäßigem, harschem Fell, der mühelos stundenlang durch die
schottischen Highlands und Lowlands laufen konnte –
ist nahezu ausgestorben. Es gibt ihn weder im VDH (wegen
der Show-Zucht und des üppigen Fells), noch lässt er sich leicht durch
andere Rassen auf den früheren Stand bringen, weil diese ähnlich viel Fell
haben oder genetisch genauso am Limit sind oder vom Wesen her völlig anders
gezüchtet wurden (derber, schärfer). Eine gesunde Balance aus Führigkeit und intelligentem, eigenständigem Denken, aus Sanftheit in der Familie und
Schutzbereitschaft im Ernstfall ist das, was Bearded Collies so einzigartig gemacht hat. In ihrer ursprünglichen Form ist
die Rasse verloren, weil es „frische Gene“ kaum noch gibt – abgesehen von den britischen
Working Beardies, mit denen ein mutiger neuer Anfang gelingen könnte. Was auch immer noch möglich ist: Es ist schwer vorstellbar, dass man eines Tages vom gesunden,
wesensfesten, pflegeleichten „EU-Typ“ oder „Beardie 2.0“ sprechen wird.
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Der Beardie als Lehrer |
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